Wenn das Fieber dreimal klingelt

Wenn das Fieber dreimal klingelt

Hachja, ganz schön frisch draußen, oder? Abzusehen, dass diese fiesen Bakterien und Viren auch den Weg zu unseren drei Wirten finden. Zuerst fing die Allerkleinste im Bunde an. Die Verwandlung vom kleinen, süßen Mädel zum mittelgroßen, brüllenden Seehund geschah über Nacht. Nur mit dem Unterschied, dass es nichts an der Geräuschkulisse geändert hätte, wenn wir einen Eimer voller Heringe ins Babybett gekippt hätten. Ich muss zugeben, dass ich „Was fressen Seehunde“ gerade googeln musste, da ich wohl in der Neunten auf Toilette war, als man mir biologisches Expertenwissen über hundartige Raubtiere aus der Familie der Robben vermitteln wollte. Dass es Fisch ist, wusste ich. Hätte ganz spontan auf leckeren Lachs getippt. Apropos. Lax sollte man mit diesem nächtlichen Gebrülle nicht umgehen, ist es doch meist ein Vorbote des wirklich beängstigenden Pseudokrupps bzw. Krupp-Husten. Leider mussten wir das zweimalig beim Sohnemann erleben. An dieser Stelle spare ich mir Humor, denn das war alles andere als lustig. Ich lache gerade lieber über Lachs und Lax. Für einen Lach(s)flash zu wenig, zur Würdigung der gelungenen Überleitung aber durchaus angebracht.

Wo waren wir?

Genau. Es ist f(r)isch draußen.

Der logischen Reihenfolge trotzend, übersprang die nächste Hustenattacke zunächst den Mittleren und landete zielsicher im paarig angelegten Organ der Allergrößten, das ihrer Atmung dient. „Ziemlich genau unten rechts“, sagte die Kindermedizinerin fünf Nächte später. Sie meinte damit schlicht den Schleimpfropf, der sich, seiner Natur entsprechend, partout nicht von der Lunge meiner Tochter lösen wollte. So wie Slimer bei den Ghostbusters. Zu allem unnötigen Überfluss mit einem nicht enden wollenden Fieberverlauf à la Achterbahn gepaart. Morgens runter und abends wieder rauf. Nur ohne den Spaß. Schlussendlich setzte sich einen Tag nach der Großen auch der Mittlere in einen der Achterbahn-Wagen und fuhr fiebrig hustend mit durch Berg und Tal. Tja, was soll ich sagen? Was nach Phantasialand klingt, war alles andere als phantastisch.

Zwischenzeitlich hatten wir das Budget für Rüstungsgüter rapide aufgestockt und in der nahegelegenen Apotheke für diverse Kampfmittel zielbringend eingesetzt. Wir hatten leider keine Wahl. Der Befehl kam aus dem kinderärztlichen Hauptquartier von ganz oben. Medikamente und Wirkstoffe mit teils unaussprechlichen Namen kamen zum Einsatz. Ich musste spontan an die 90er Spielshow „Glücksrad“ denken. Hätte ich in der Apotheke zusätzlich Vokale gekauft, zum Beispiel ein „i“ und ein „a“, wäre der ganze Laden vor lauter Gepiepe der abertausenden Treffer binnen Sekunden in sich implodiert. So zogen wir also zur Unterstützung des kindlichen Immunsystems mit Amoxicillin in den Krieg, das aus der Gruppe der Aminopenicilline stammt und damit zur Wirkstoffgruppe der Beta-Lactam-Antibiotika gehört. Ich möchte ein i und ein a kaufen! Mit anderen Worten: Wir waren unschlagbar.

Mein persönliches Befinden, wenn die Kids krank sind, ähnelt stark dem klassischen Krankheitsverlauf einer handelsüblichen Erkältung – abends ist es meist am schlimmsten. Sicherlich liegen die Kinder abends medikamentös prächtig eingestellt in ihren Betten. Sicherlich haben sie genug Tee und Wasser zur ultrawichtigen Aufrechterhaltung des angegriffenen Flüssigkeitshaushalts nachgetankt. Und selbstverständlich haben wir auch das restliche Kampfgeld in Vitamin-C-Granaten investiert, die in Form von Fallobst glücklicherweise von allen Dreien gerne und viel vertilgt werden. Zurück bleibt bei mir aber dann immer – jedes Mal – diese unterschwellig kitzelnde Unruhe, dieses recht penetrant pieksende Gefühl, was in Kombination routiniert wie ein Plattenspieler immer wieder dieselbe Frage in meiner Denkzentrale abspulen lässt: Gehts den Kiddies gerade gut? Paradox, absurd und vollkommen irrational wird es dann, wenn Teufelchen nicht locker lässt und leise flüstert: Na, David, meinst du, sie atmen noch? Ich wette, dass der Großteil der Elternschaft weiß, was ich meine und dass sie diese Situation mindestens schon einmal selber erlebt haben. Das alles passiert im Übrigen in dem Moment, während ich selber im Bett liege, mit meinem Buch und einer Leselampe bewaffnet, die gerade so hell ist, dass ich die gedruckten Zeile erkenne. Und nach und nach auch die Schlafzimmertür, die zum Flur und damit zu den drei Kinderzimmern führt. Die Tür reicht vollkommen als gedanklicher Impulsgeber aus. Ein Teufelskreis. Oft stehe ich nochmal auf, schleiche mich an die Betten, um die Atemzüge zu hören. Noch öfter ist diese Angst vollkommen unbegründet und endet meist mit nacktem Fuß auf achtlos liegen gelassenen Lego-Bausteinen, was das Kinder-Aufwach-Risiko genauso gigantisch schnell ansteigen lässt wie das eigene Schmerzlevel.

Morgens wird das Teufelchen dann von der Schulter gekickt, wenn die Kinder mit roten Schlafbäckchen und einer Nacht mit gesundem Schlaf vor einem stehen. Wohlwissend, dass das Vieh gut klettern kann und abends bestimmt wieder oben angekommen sein wird. Was solls! So sicher wie der niedrige IQ der gruseligen Mandarine aus dem Weißen Haus in den USA ist auf jeden Fall eines: Sie werden wieder gesund! Schon meine Oma hat immer gesagt: „Eine Erkältung dauert mit Medizin eine Woche und ohne sieben Tage“. Am Ende wird die Müllabfuhr im wahrsten Sinne den ganzen Rotz abtransportieren und dann ist es ausgestanden. Wichtig ist, dass ihr durchhaltet, selber gesund und stark bleibt. Und passt einfach auf das verdammte Lego auf.

David

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