Santa Claus, Dadman und Chaos are coming to town

Santa Claus, Dadman und Chaos are coming to town

Am 23.12.2019 für eine Stunde in der Kleinstadt.


Kleine Anmerkung: Es ist gerade 15:30 Uhr. Heute ist so viel passiert, dass ich mich spontan mitteilen muss. Also, spontan bei drei. 1, 2, 3.


Es ist Montag. Für sich genommen wenig spektakulär. Ich bin mit allen drei Kids allein, weil das Muttertier erst heute ihren (wohlverdienten) letzten Arbeitstag vor den Feiertagen hat. Ich möchte mit der Kleinen allein in die Stadt. Einen Tag vor Heiligabend. Schon etwas spektakulärer. Die beiden Großen sind mit Oma verabredet, um Wellensittiche zu kaufen. Nicht spektakulär, nur verwirrend. Bitte fragt nicht.

Alles beginnt um 07:28 Uhr. Mama ist gerade aus dem Haus. Ich, der pflichtbewusste Zoowärter, bin auf dem Weg nach oben, um die Tiere des Hauses zu wecken. Dadgirl1 hat im „Lager“ von Dadboy geschlafen. Ihre Matratze liegt quer unter seinem Hochbett. Neben ihr liegt eine Camping-Lampe, ihr aktuelles Buch „Die Duftapotheke, Teil 2“ (sie liest jeden Abend – ganz ihr Vater!) und eine Nerf-Pumpgun. Was man halt fürs Zelten so braucht. Dadboys Nachtlicht, das Sterne an die Decke projiziert, dreht sich elektrisch kreisend. Es muss also nach ca. 05:12 Uhr nochmal einer von beiden aktiv gewesen sein. Um 05:11 Uhr bin ich nämlich – an meinem freien Tag – schlaftrunken in ihr Tiergehege gestampft. Erst später habe ich realisiert, dass ich in den Lauf der Nerf geblickt hatte, als ich dem CD-Player auf Lautstärke 8 von 10 und dem grellend hellen Nachtlicht den Strom nahm. „Mitten in der Nacht, seid ihr Banane?“, war das einzige, was meine tiefschlafende Denkzentrale auf die Reihe bekam. „Seid ihr Banane“ hatte ich also die Insassen des Affenstalls gefragt. Wie passend.

Dadgirl2, in ihrem neuen rosafarbenen Schlafsack und in Verbindung mit dem gleichfarbigen Schlafanzug nun auffallend rosa gekleidet, duckelt nach sanftem Wecken noch an meiner Schulter. Der kleine Flamingo will sich vor der frischen Windel drücken, was vielmehr am Verlassen des warmen Schlafsacks als an dem Wechselritual als solchem liegt. Reißverschluss auf, Windel neu gegen alt, Dadgirl1 abkommandieren, um Dadgirl2 auf der Wickelkommode festzuhalten, während ich im undurchdringlichen Dschungel des Kleinkind-Kleiderschranks nach einigermaßen passenden Klamotten in Größe 86 suche, kurzes Gebrüll, lautes Lachen, langes Gebrüll – fertig.

Um heute noch fertig zu werden, muss ich mal im Vorspulmodus bleiben:

  • Badezimmer (Zähneputzen, Haare kämmen, mit Wasser spielen)
  • Raubtierfütterung (Cornflakes, Toast, Trauben, Wasser ohne Spiel)
  • Spielen (Ball zuwerfen, mit Ball auf Weihnachtsbaumkugeln werfen, nicht spielen, weil trotzig usw.)
  • Warm anziehen (Dadboy neues Oberteil nach Cornflakes-Unfall, Jacke, Mütze, Schal …)
  • Abfahrt (keinen vergessen, alle da)
  • Anhalten Oma (Dadgirl1 und Dadboy nicht mehr im Auto)
  • Parkplatzglück (schneller geschaltet als der Kontrahent im koreanischen Kleinwagen)

Wir sind also endlich in der Stadt angekommen. Ich bin jetzt knapp fünf Stunden wach. Die Uhr zeigt 10:37 Uhr. Ich löse mit meiner Parkplatz-App das einstündig gültige Parkticket. Das muss für ein bisschen lockeres Gebummele reichen. Schließlich gehört heute nicht nur das Tiere wecken, säubern und hüten zu meinen Aufgaben, sondern auch die Schattenseiten dieses Daseins – das Einschläfern. Gegen 12:30 Uhr muss unsere Allerkleinste schon träumen, lautet der Befehl der Zoodirektorin. Aye, Mäm.

Der erste Weg führt zum örtlichen Bäcker, um mein Einback-Versprechen einzulösen, das ich meiner Mini-Tochter während der Autofahrt gab. Schnell über den Zebrastreifen (ha, Zoo überall heute…) gehuscht und unter die Herde Zweibeiner auf dem Bürgersteig gemischt. Gefühlt sind die Weiblichen unter ihnen entspannter, zumindest dem Gesichtsausdruck nach. Ganz im Klischee gefangen, wirken die Männer der Schöpfung gestresster, was vermutlich an immer noch fehlenden Geschenken oder nicht vorhandenen Ideen für selbige liegt. Oder an beidem. Ich grinse schelmisch – denn ich, meine Damen und Herren, habe ALLE Geschenke zusammen. Gutes Gefühl. Alles, was ich heute noch kaufe, tue ich nur aus einem einzigen Grund: Einfach. Nur. So. (bitte mit ordentlichen Pausen zwischen den Wörtern sprechen – dann wirkt es so richtig).


Ich muss mich jetzt echt beeilen … – es warten Lego-Duplo-Türme und Wellensittich-Erzählungen auf mich. Und mit Kochen bin ich auch dran. Jetzt also weniger Adjektive und gegebenenenenfalls mehr Rechtschreibungsausfallfehler.


Auf dem Gehweg pirscht sich von hinten ein summendes Geräusch an. Eine Drohne vermutend, verlangsame ich meine Geschwindigkeit und drehe mich um. Die Drehung noch nicht vollendet, zischt ein Rollstuhlfahrer an mir vorbei, der Fahrradhandschuhe trägt. Solche Handschuhe mit extra Grip. Braucht er auch, um einen mir bis dato vollkommen unbekannten elektrischen Rollstuhl-Vorbau mit Zusatzreifen zu steuern, der ihn auf locker 25km/h beschleunigt. Die blond gelockte und gleichermaßen erschrockene Frau Anfang 50 und ich gucken uns etwas perplex an. Und können dann nur gemeinsam lachen. Wahrscheinlich auch noch geschenklos, die Rollstuhl-Rakete. Beim Bäcker steht der Rennfahrer vor uns. Draußen, auf der Straße, am Brötchen-to-Go-Schalter. Der Tachometer seiner Höllenmaschine ist recht einfach gestrickt. Ein On-, ein Off-Schalter. Darüber eine Reihe nach rechts größer werdende LEDs, die aufflackern, sobald er den Gashebel betätigt. Erinnert mich leicht an Kid von Knight Rider. Während ich warte, stelle ich mir vor, wie ihn das Teil morgens beim Ankoppeln begrüßt. „Guten Morgen, Bernd, mein Akku ist voll, wir können los“. Ich weiß nicht, ob er Bernd hieß. Er sah einfach aus wie einer. Bernd, du bist ein dufter Typ. Dir übrigens auch schöne Weihnachten! Dass ich dir das auch gewünscht habe, hast du nicht mehr gehört. Du warst schon um die Ecke herum, bevor ich realisiert hatte, dass da überhaupt eine Ecke ist. Naja. Hier, Dadgirl2, dein Einback.

In der Drogerie Müller angekommen, fand ich trotz 743 Menschen, die den Blick auf die Regale versperrten, prompt das, was ich wollte. Duschgel und weißen Glühwein. Unter der Dusche hatte ich heute Morgen festgestellt, dass beides leer ist. Ich stellte mich bei Frau Schmidt an Kasse 3 an (ich berichtete bereits in einem separaten Post). Frau Schmidt, Mitte, vielleicht Ende 40, kastanienbraune Kurzhaarfrisur. Gegenüber ihren Kassierer-Kollegen, zwei Männer, sah sie einfach kompetenter aus. Schneller ging es trotzdem nicht. Ja, ihnen auch schöne Reiertage, Frau Schmidt (kein Schreibfehler, sondern einfach die Retourkutsche für die Anti-Falten-Creme). So, keine Zeit verlieren. Bis zur Kasse höre ich die Parkuhr ticken.

Zum Schluss war ich noch schnell in meiner Lieblingsbücherei. Ein glückseliger, unfassbar wohliger Ort. Tolle Bücher, tolle Leute. Heute tummelten sich dort allerdings definitiv Menschen, die „Zeitung“ antworten, wenn man sie fragt, ob sie lesen. Klassische fünf-vor-Zwölf-Geschenkekäufer. Einer sogar mit Jogginghose bekleidet und mit Energy-Drink in der Hand. Aus seiner „Hose“ dröhnte irgendein Bronx-Singsang. Also, Freunde. Ich liebe Jogginghosen, wenn ich Zuhause bin. In (m)einer Bücherei gibt es gesellschaftliche Regeln, die es einzuhalten gilt. Das ist wie mit der Knopfleiste bei Bettdecken, die unten liegen muss. So seh ich das. Was er gekauft hat, weiß ich nicht. Auswahl hatten sie in der Ratgeber-Abteilung genug. Ich wünsche mir, dass er dort fündig wurde. Du schaffst das, Bro.

Auf dem Rückweg zu meinem KFZ, kam ich an „KODi“ vorbei. Wohnen, Kochen, Schlafen – alles für den Haushalt. Wohnen und Schlafen habe ich ausgelassen, aber bei dem *XYZ* aus der Kochen-Rubrik für unter 20 Euro hatten sie mich. Ich musste das leider ausblenden, denn der *XYZ* ist ein Einfach-nur-so-obendrauf-Geschenk für den Menschen, der mich vor knapp 35 Jahren mit der Gewehrmutter auf diese Welt geschossen hat. Ganz uneigennützig ist das Geschenk nicht, zugegeben. Nach Weihnachten kläre ich euch auf.

Es ist 11:38 Uhr. Ich befinde mich im illegalen Bereich, da das Parkticket vor exakt einer Minute ausgecheckt hat. Genau wie meine kleine Tochter, die irgendwann zwischen Haushaltswarenladen und Parkplatz eingeschlafen ist. Nur Eltern wissen wie dramatisch das um diese Uhrzeit bzw. außerhalb des heimischen Kinderbettes ist. Den Kofferraum schon geöffnet, versuchte ich das im Kinderwagen eingeigelte Murmeltier zu wecken (Wetten, ihr habt ein-gegeigelt anstatt einge-igelt gelesen?). Ein Auto in meinem Nacken dachte, dass das Betätigen des Standgases meine Einlade-Geschwindigkeit geräuschvoll unterstützen wurde. Mit jedem „Brumm“ wurde ich langsamer. Das beherrsche ich in Perfektion. Der wartende Gasfuß fuhr parallel zu mir auf. Fenster runter. „Fährst du weg?“, fragte mich der Geschenklose. Wir waren nicht gemeinsam im Kindergarten, was eigentlich die Mindestvoraussetzung für Duzen ist. „Nee, du, ich warte noch auf meine Frau … die ist noch drüben im Schuhladen … du weißt schon“, ich machte so eine „Frauen halt“-Geste und untermalte damit meine Notlüge oscarreif. Bernhard (er sah einfach so aus) fuhr weiter; ich hatte frische Zeit. Auch, weil niemand vom Ordnungsamt auf dem Parkplatz Streife flog.

Zuhause angekommen, gab es schnell ein Mittagessen für Dadgirl2. Nachdem ich sie wieder in den kleinen, süßen Flamingo verwandelt hatte, dauerte es 45min, bis sie eingeschläfert war. Ein schöner Vater-Tochter-Vormittag war damit vorbei. Danke, meine Kleine.

Als ich die Treppe herunterkam, ging meine Frau gerade die andere Treppe hinauf. Wir trafen uns in der Mitte. Sie grinste mich wie eine Frau an, die alle Geschenke zusammen hat. Ich grinste wie jemand zurück, der das gleiche von sich behaupten kann. Warum wir uns dann küssten? Einfach. Nur. So.

Keep on rollin‘ (just like Bernd).

David

David

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